Ameisentage

Pressemitteilung des Verlags (Frühjahr 2007):

Soeben ist im Verlag EDITION THALEIA ein neues Werk der in Mannheim lebenden Autorin Brigitte Stolle erschienen. Mit dem ihr eigenen verspielten Sprachwitz und einer üppigen Dosis Ironie erzählt Brigitte Stolle drei in mancherlei Hinsicht anarchische Geschichten: In »Ameisentage« entdeckt eine Sechsjährige in sich die Berufung zur Ameisenforscherin. In »Frau W oder die Überwindung der Außenwelt durch ein Viertelpfund Butter« löst eine bislang brave Gattin und Mutter nach einem Augenblick des Innehaltens ein Familienchaos aus – oder sollte es doch eher als glückselige Gleichgültigkeit verstanden werden? Und in »Rückwärts« versucht Frau R mit Pseudodialektik, pseudophilosophischer Beweisführung sowie mit mehr oder weniger passenden Erläuterungen aus der Küchenpraxis ihre geheimnisvolle Vorliebe für das Rückwärtslesen zu begründen und diese einer ganz und gar feindlich gesinnten Umwelt begreiflich zu machen.

Wie schon in ihrer vielbeachteten Groteske »Die Köchin« bietet Brigitte Stolle auch in ihrem neuen Buch ein fulminant komisches und hintersinniges Lesevergnügen.

Brigitte Stolle, 1959 geboren, lebt und arbeitet in Mannheim. Neben Ausbildungen und Tätigkeiten in unterschiedlichen Bereichen hat sie 6 Semester Germanistik, Linguistik und Philosophie in Mannheim studiert. Nach ihrer Erstveröffentlichung »Die Köchin« (Edition Thaleia 2004) erschien 2005 ein Band mit Limericks.

Brigitte Stolle
Ameisentage - Drei unordentliche Lesestücke
115 Seiten 12 € ISBN 978-3-924944-81-0
Zu bestellen über den Buchhandel oder direkt beim Verlag Edition Thaleia.
Oder über Amazon.

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 Mannheimer Morgen, 13. März 2007
Rhein-Neckar-Ausgabe


Verschnörkelt:
Brigitte Stolle spielt mit der Sprache

SECKENHEIM. Autorin legt neues Buch ‘Ameisentage’ vor
und arbeitet schon am nächsten Roman

Von unserem Redaktionsmitglied Corinna Schmitt

In den frühen Morgenstunden arbeitet sich’s am besten, zumindest für Brigitte Stolle. Zwei bis drei Mal pro Woche steht sie um zwei Uhr auf, nutzt die frühen Stunden bis zum Start ins Arbeitsleben. Die 48-Jährige schreibt in ihrer Freizeit, lange schon und aus Leidenschaft. Gerade ist ihr drittes Buch ‘Ameisentage’ erschienen, ihr erstes ‘Die Köchin’ liegt in zweiter Auflage vor, und sie arbeitet schon an einem neuen Roman. Stolle ist 1959 in Mannheim geboren und in Edingen-Neckarhausen aufgewachsen. Mittlerweile ist sie in Seckenheim zu Hause. Nur eine Handvoll Bücher verlegt der kleine nichtkommerzielle Verlag Edition Thaleia im Jahr. Brigitte Stolle ist froh, dass sich der Verlag bereits zum zweiten Mal für sie entschieden hat. Die Autorin selbst liest die Klassiker: Thomas Mann, Hermann Hesse, Theodor Fontane … ‘Den ‘Zauberberg’ habe ich bestimmt 20 Mal gelesen’, erzählt sie voller Bewunderung für Thomas Manns Roman. Dabei entdecke sie immer wieder Neues. Brigitte Stolle ist gründlich. Deshalb nimmt sie sich auch zu unbequemen Stunden Zeit für ihre Leidenschaft. Zwar schreibt sie so manche Geschichte in wenigen Stunden nieder, die meiste Arbeit folgt aber danach. ‘Ich lese laut zur Kontrolle, ob es holpert’, sagt sie. An jedem Wort wird gefeilt und überlegt, ob es der richtige Ausdruck ist für das, was sie beschreiben will. Brigitte Stolle interessiert sich sehr für Sprachwissenschaft, erinnert sich gern an die Germanistik-Vorlesungen an der Universität. Ein ‘leicht archaischer’ Ton durchziehe ihre Lesestücke im neuen Werk ‘Ameisentage’, schreibt sie im Vorwort. Ihr Umgang mit den Worten ist ein spielerischer: Altertümlich und verschnörkelt kommt ihre Sprache daher: ‘Frau W, die immer untadelig Ordentliche, ist wie alle untadelig Ordentlichen fasziniert von Chaos und Anarchie, von Wirrnis und Unordnung - so dieses Verhalten bei anderen Menschen sich zeigt’, beginnt sie die Geschichte von ‘Frau W oder Die Überwindung der Außenwelt durch ein Viertelpfund Butter’. Trotz des ungewohnten Tons liest sich die Erzählung leicht, in der die unermüdliche Hausfrau Frau W ihre gewohnten Bahnen verlässt und für größtmögliche Unordnung sorgt, und ist sehr amüsant. ‘Ich beschreibe keine eigenen Erlebnisse oder jemanden, den ich kenne’, erklärt sie und will ihr Leben von ihren fiktionalen Personen getrennt wissen. Inspirieren lässt sie sich sehr wohl, etwa von einem Foto oder einer Beobachtung. Ihr neuer Roman, an dem sie gerade arbeitet, spielt in der Region. Ob man das herauslesen wird, weiß sie noch nicht. Fest steht schon, dass es einen Mord gibt. Das bewegt sie aber weniger als der Clinch mit Kathie, ihrer Hauptfigur. ‘Sie hält sich nicht an meine Pläne.’ Dass ihre eigene Protagonistin ein Eigenleben führt, fasziniert und verwirrt sie zugleich. ‘Ich stolpere ihr hinterher’, erklärt sie - und lässt Kathie voraus laufen. Wo ihr Weg hinführt, kann sie noch nicht genau sagen. Sie weiß aber, dass sie ‘jeden Tag dran bleiben muss’, denn lange Pausen seien hinderlich, weil sie zu viel Abstand zum Geschehen schaffen. Das treibt sie auch früh morgens aus dem Bett, um die ruhigen Stunden, mit einer Kanne schwarzem Tee mit Zitrone daneben, zu nutzen.

 Foto: Corinna Schmitt

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 Amazon-Kundenrezension vom 3. April 2007

Wenn mich Bücher erfreuen
von George Tenner
Journalist und (Krimi-)Autor
(Usedom-Krimis u. a)

Ja, wo laufen sie denn? Ja, wo laufen sie denn hin???

Es sicheln und mähen von Ost nach West
Die apokalyptischen Reiter
Aber ob Hunger, ob Krieg, ob Pest
Es kribbelt und wibbelt weiter …

Diese Worte Theodor Fontanes über die fleißigen Ameisen stellt die Autorin ihrem Werk bewusst voran, denn:

Ein sechsjähriges Kind entdeckt die kribbelten und wibbelnden Tierchen als interessantes Studienobjekt; lässt sie auf das Schaufelchen laufen und sofort im roten Kunststoffeimer verschwinden. Eine Ameise allein würde sich langweilen, dachte das Kind, vielleicht aber auch an Einsamkeit eingehen. Und so begann die Verhaltensforscherin in spe erst eine, dann noch eine und schließlich eine ganze Reihe von Ameisen unterschiedlichster Herkunft zusammen in den Eimer zu sperren, denn: Ameisen krabbeln nicht aus dem Eimer – vielmehr laufen Sie - möglichst immer im Kreis an der Bodenaußenwand.. In Ermangelung von wahrnehmbaren Gegenständen legen sie so weite Strecken zurück, unterbrochen nur von den Kämpfen gegen ihresgleichen aus fremden Gefilden, die meist tödlich ausgehen. Man sollte meinen, die kleinen Tierchen haben es den Menschen abgesehen.

Die Autorin schreibt in einer Vorbemerkung: Die Sprache der drei Lesestücke ist fast durchweg eine leicht archaische. Bewusst kommen hier grammatikalische Formen zum Tragen, die uns heutigen Menschen zwar bekannt sind, die aber in der täglichen (Umgangs-)Sprache fast nicht mehr vorkommen.

Zu dieser mit Archaismen durchsetzten Sprache kommt ein verspielter Satzbau, nachgestellte Appositionen, Nebensätze, die - kaum begonnen - gleich wieder aufgebrochen werden und vielfach ein Eigenleben entwickeln. Eine bewusst so gestaltete Verbindung, die auf zeitliche Distanz hinweisen oder ironisch-pathetisch wirken mag - es liegt allein am Leser, diese Entscheidung zu treffen. Die sprachlichen Fossilien dienen außerdem als äußerliche Anzeichen dafür, dass in den Lesestücken der Irrealität Raum gewährt wurde und dass die jeweiligen Handlungsabläufe nicht geradlinig auf einen Schluss zusteuern. Ein Arrangement, das gewöhnungsbedürftig genannt werden darf, ein Zusammenspiel, das einen gewissen Reiz bietet. Das aber auch – Gott sei Dank – Ansprüche an den Leser stellt, denn es ist weit ab vom geldheischenden Literaturbetrieb.

Die Autorin hat hier eine mit Spachwitz und einer üppigen Dosis Ironie heute selten geschriebene, leider verlorengegangene Form gewählt, die sich herrlich erfrischend liest und einem die Vorstellungskraft - zurück in die Kinderzeit – leicht macht.

Nicht weniger gelungen zeigen sich die beiden anderen der insgesamt drei „Unordentlichen Lesestücke”. Schon deren Titel: „Frau W oder die Überwindung der Außenwelt durch ein Viertelpfund Butter” und „Rückwärts” machen neugierig auf die Lektüre.

Nach der “Köchin” sind die Ameisentage” ein weiteres köstliches Buch der Mannheimer Autorin Brigitte Stolle, die ihren Texten stets liebevoll ausgewählte Zitate voranstellt.

Originell: Die von Illustrator Harold Eisele gezeichneten Ameisen, die über die Buchseiten kribbeln und krabbeln und den Leser bei seiner Lektüre begleiten.

Ich habe mich übrigens mit großer Freude über das Buch hergemacht, denn: Es fehlen die Anglizismen und gerade das erinnert an eine unverfälschte deutsche Sprache.

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 Literaturzeitschrift KULT 25/07, 13. Jahrgang
Poesy-Chaotycum fyr ketzerysche Ästhetyk

Verliebt ins Chaotische
Brigitte Stolle, Ameisentage
(Edition Thaleia, St. Ingbert 2007) 115 S., E 12.-)

Karl-Heinz Schreiber ist Autor, Rezensent und
Herausgeber der Literaturzeitschrift KULT.
(Der Meerschwimmer. Heimat für Blumberg)

Drei unordentliche Lesestücke (Untertitel) liefert uns die umtriebige Mannheimer Autorin (Jg. 1959) ‘mit Sprachwitz und einer üppigen Dosis Ironie’ (Klappentext). Die ‘Vorbemerkung der Autorin’ stellt den Renzensenten vor ein Problem: eigentlich steht hier alles Notwendige zum Verständnis der in diesem Buch enthaltenen Geschichten drin – er könnte einfach daraus zitieren und die Autorin bestätigen. Oder sollte er doch die Texte selbst lesen und nach möglicherweise abweichenden Indizien fahnden ?! Liebe Autoren und Verleger: Bitte kaut den Lesern und Rezensenten nicht zuviel vor (auch auf die Gefahr hin, dass diese manche Raffinesse übersehen …)!

In der ersten Geschichte Ameisentage erfahren wir, wie eine Sechsjährige in ihrem Eimerchen Ameisen quält und ertränkt.

In der 2. Geschichte Frau W beschließt selbige, ‘die zweite Hälfte des Lebens disziplinlos und in absoluter Liderlichkeit zu verbringen.’ Sie ‘lebt nur noch für die Anarchie, die sie als ihre wahre Berufung erkennt.’ – Das hat einen gewissen satirischen Touch, eine erfrischende Charakterbeobachtung und den Charme unauffälliger Gesellschaftskritik.

Der 3. Text Rückwärts zeigt eine Frau, welche alles rückwärts liest: Romane beginnt sie mit der letzten Seite, kürzere Texte mit dem letzten Satz, einzelne Sätze mit dem letzten Wort. Erwähnt wird eine Kunstkritikerin, welche ‘die Gewohnheit angenommen hatte, Bilder nur noch aus der Position des Kopfstandes heraus zu betrachten’ – und die Besprechungen wurden nach Bekunden der Fachwelt besser !

Höchst amüsant und leider viel zu kurz fällt die Schilderung eines rückwärtigen Lebens aus dem Grab bis zur Zeugung aus. Hingegen scheint die Geschichte der Rückwärtsleserin insgesamt doch zu lang. Man hat das Prinzip längst begriffen, die Argumentationsvarianten sind eingängig, es schleicht sich immerhin leichte Absurdität ein, welche aber durch das Hinausdehnen des Erzählfadens abschlafft. Raffinierter wäre es gewesen, den Leser durch eine umgedrehte Textpassage selbst zum Rückwärtslesen zu zwingen.

Insgesamt ein Buch mit unterhaltsamen Ansätzen, wo eine gewisse schwarze Ironie durchscheint. Die ‘Vorbemerkung der Autorin’ bestätigt sich insofern, als hier ein geordnetes Weltbild verlassen wird – was allerdings generelles Kennzeichen ‘moderner’ Literatur ist – was die vorliegenden Texte ja eigentlich gar nicht sein wollen.

Also, es lebe der Widerspruch – das Buch gefällt, obwohl es längst nicht vollkommen ist.

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Stadtteilzeitung NeckarBlick – 20. Juni 2007

 Ameisentage – Drei unordentliche Lesestücke

Neues Buch von Brigitte Stolle, Seckenheim
Von Chefredakteurin Heike Warlich

Ihren Sprachwitz und die ihr eigene Ironie hat die in Seckenheim lebende Autorin Brigitte Stolle bereits in ihrem Buch “Die Köchin” bewiesen. Jetzt ist mit „Ameisentage“ ihr neuestes Werk im Verlag Edition Thaleia erschienen und im Buchhandel erhältlich.

Auch in „Ameisentage“ geht es hoch her, denn die 1959 geborene Brigitte Stolle erzählt drei in mancherlei Hinsicht anarchische Geschichten: Da entdeckt eine Sechsjährige ihre Berufung zur Ameisenforscherin, eine bis dato brave Gattin und Mutter löst durch „Die Überwindung der Außenwelt durch ein Viertelpfund Butter“ ein Familienchaos aus und eine weitere Dame versucht mit pseudopsychologischer Beweisführung ihre Vorliebe fürs Rückwärtslesen zu begründen.

„Drei unordentliche Lesestücke“ sind es, die uns die Autorin auf 115 Seiten präsentiert – gerade richtig als Frühlingslektüre, ein komisches und hintersinniges Lesevergnügen.

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BGNews: Kreativität aus den eigenen Reihen

von Sandra Pfisterer (Red.)

In der Ausgabe Nr. 21 (Juni 2004) berichteten wir bereits über unsere Freizeitschriftstellerin aus den Reihen der BGN. Frau Brigitte Stolle (Ref. 5) war mal wieder fleißig. Ihr drittes Buch ‘Ameisentage’ ist im März diesen Jahres beim Edition Thaleia Verlag erschienen.
AMEISENTAGE ist ein ungewöhnliches Buch. Es besteht aus drei mehr oder weniger Kurz(-en)Geschichten, die eigentlich in kein klassisches Literaturschema hineinzukategorisieren sind. Insgesamt aber ein Werk, das nicht nur interessant ist, sondern auch den Lesern einen ungewöhnlichen Lesespaß bereitet.
Die wortgewandte Autorin liebt das Spiel mit den Sprache, scheinbar endlos verschachtelte Sätze, ihr Schreibstil verschnörkelt, kreativ und anspruchsvoll.
Ihre erste Geschichte, die den Titel des Buches trägt, beschäftigt sich mit der Beobachtung und Erforschung der kleinen Krabbler aus Sicht eines kleinen sechs Jahre alten Mädchens. Voller Taten- und Forschungsdrang beschreibt sie das Leben und Verhalten der Ameisen aus dem Garten, die sie in ihrem Eimerchen für ihre wissenschaftliche Zwecke nutzt. Wer aber jetzt denkt, dieses Lesestück sei etwas für das jüngere Publikum: weit gefehlt! Mit der Sicht eines Kindes und den Worten einer Erwachsenen wird eine geradezu skurrile Geschichte geschaffen, die den Leser erst etwas irritiert, dann jedoch nur noch amüsiert. Die kleine Heldin bekommt dabei als Wissenschaftlerin ein ganz anderes Gesicht und der Leser ist fast enttäuscht, dass ihre Forschungen recht schnell eingestellt werden.
In ihrer zweiten Erzählung, Frau W oder Die Überwindung der Außenwelt durch ein Viertelpfund Butter, geht es gleich skurril weiter. Der Leser wird mit einer Dame des Alltags konfrontiert, die eben genau diesen plötzlich und unerwartet hinter sich lässt. Ein Ausbruch aus einem gefestigten, bisher funktionierenden System namens klassisches Familienleben, schockiert zu Anfang nicht nur ihren Gatten, sondern bringt auch die Kinder zur Verzweiflung. Der Wandel der Frau W und ihrer Familie geht dabei in eine überraschende Richtung.
Sie gehören auch zu den Lesern, die ein Buch von hinten nach vorne lesen? Nein? Dann sollten Sie aber trotzdem das dritte Lesestück von Frau Stolle lesen, denn in ‘Rückwärts’ erfährt der Leser, warum sich Frau R den Tick zu eigen gemacht hat, alles, was sie vor die Augen bekommt, von hinten zu lesen, das Pferd sozusagen von hinten zu satteln. Dem Leser werden Argumente erörtert, warum eine andere Sichtweise der Dinge genauso richtig und wichtig ist, wie die traditionelle Art des Denkens und Lesens. Etwas irritierend ist das schon für den Leser, insbesondere durch die teilweise verwunderliche Argumentation, aber hat man sich erst mal dran gewöhnt, könnte man sich selbst die Frage stellen: Warum eigentlich nicht?!
Und wer Nachhilfe im Rückwärtslesen nötig hat, kann sich ja vertrauensvoll an Frau Stolle wenden. Wer hat schon die Möglichkeit, mit einer echten Schriftstellerin vor Ort über die geschaffenen Werke zu plaudern? In der Hauptverwaltung der BGN ist das möglich! Denn nicht nur kluge Menschen sind unter den Kollegen zu finden, sondern auch kreative Köpfe, die nach der Arbeit die Muse haben, sich hinzusetzen und ihre Schreibwütigkeit auszuleben ! Die Redaktion freut sich dabei immer wieder auf ein neues Ergebnis !

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Schwarzwälder Bote (SchwaBo)
Wochenend-Journal Bücherbote
Samstag, 8. September 2007

Vom Chaos zur Ordnung

Eine Rezension von Peter Flaig

Brigitte Stolles ‘Ameisentage’ überrascht.

Ein Titel als Programm: Brigitte Stolles Ameisentage sind voller überraschender, ironischer, abseitiger, witziger Ideen, die wie Ameisen übers Papier laufen, von den Leserblicken aufgesogen werden und in den Hirnwindungen weiterwuseln.

Die oberflächliche Handlung der drei so genannten ‘Lesestücke’, aus denen das Werk besteht und die sich nicht so ohne weiteres einer literarischen Gattung zuordnen lassen, tritt in den Hintergrund. Wichtig ist jeweils nur der Moment, die beschriebene Beobachtung, der ausformulierte, oftmals skurrile Gedanke.

Zusammen mit der bewusst gewählten, leicht altertümlichen Sprache erwartet den Leser ein scheinbar diffuser Textnebel, dessen Einzelteile jedoch durch ihr Eigen- und Weiterleben in den Köpfen der Leser am Ende ein Gesamtbild ergeben.

Ob im ersten Teil die Beobachtungen einer jungen Ameisenforscherin, im zweiten Abschnitt die Auflösung der ‘Ordnung’ im Leben einer Frau, ausgelöst durch ein Viertelpfund Butter, oder im dritten Teil das unverdrossene Plädoyer für das Rückwärtslesen von Büchern – stets fasziniert die wilde, scheinbar ungeordnete Mischung, das Durcheinander und Gewirr aus untrennbaren Einzelteilen.

Und am Ende – nach der Geschichte mit dem Rückwärtslesen – ertappt man sich dabei, dass man das Büchlein noch einmal zur Hand nimmt und erneut zu lesen beginnt.

Aber nicht von vorne …