Samstag, 5. Januar 2013

Vom barocken Frauenzimmer

Der Toback

 Lysander kam zu der Climene
Und sprach: Mein allerliebstes Kind
Mein holder Engel, meine Schöne
Wie sind Sie gegen mich gesinnt?
Ach wolten Sie sich wol bequemen
Zu Ihrem Manne mich zu nehmen?

Climene sagte zu Lysandern:
Ich bin dem Herren obligirt
Daß er zu mir vor allen andern
Eyn so honnettes Absehn führt I
ch werde mich dafür befleißen
Stets seine Dienerin zu heißen.

 

 Der Handel war bald fix und fertig
Sie schwuren beyde Stein und Bein
Die Eltern waren gegenwärtig
Und stimmten in das Bündnuß ein
Da sie denn beide nach vier Wochen
Als Mann und Weib zusammenkrochen.

Doch als die junge Frau befunde
daß er so gerne Toback tranck
Und daß es stets aus seinem Munde
Wie aus dem Corps der Garde stanck
So wollte Sie’s durchaus nicht leiden 
Und sprach: Du mußt den Toback meiden.

Was wolte nun Lysander machen?
Es ging ihm zwar sehr wurgend ein
Doch weil die neuen Ehstands-Sachen
Den Männern gar behäglich seyn
So mußt er ihr nun schon verheißen
Die Tobacks-Pfeiffen zu zerschmeißen.

 Lysander sprach: Mein liebes Weibgen
Du wirst mir ja nicht böse seyn
Biß du nur gut, mein Turteltäubgen
Und stelle deinen Kummer ein
Weill ich vorjetzt so lang ich lebe
Dem Toback-Rauchen Abschied gebe.


Climene küßte den Lysander
Sie sprach: Du bist mir noch so lieb
So obligiret man einander
Wart, wart, du kleiner Herzensdieb
Ich werde dirs mit tausend Küssen
Im Bette zu vergelten wissen.

Sie blieben also unbeschieden
Er hatte auch acht Tage lang
Den edlen Toback-Rauch vermieden
Doch stellt er sich gantz matt und kranck
So daß er auch des Nachts im Bette
Mit seiner Frauen wenig redte.

Zwei Nächte waren schon verflossen
Die dritte war auch halb vorbey
In der Climene nichts genossen
Drum sprach sie endlich ohne Scheu:
Lysander solte seine Sachen
Als wie am Hochzeits-Tage machen.

Doch dieser lag ganz mause-stille
Und sprach: Ach allerliebstes Kind!
Was hülfft mich denn mein guter Wille
Wenn meine Kräfte kräncklich sind?
Ich kann die ehelichen Pflichten
Dir nicht nach Schuldigkeit entrichten.

Die Frau erschrak von gantzem Hertzen
Und sprach: Ach allerliebster Mann
Ach sage doch: Wo fühlst du Schmerzen?
Hast du dir etwan weh gethan?
Hast du dich nicht recht wohl befunden?
Und dich vielleicht zu sehr geschunden?

Ich habe ja noch vor zwey Tagen
Nichts Kränckliches an dir gespührt
Und muß zu deinem Ruhme sagen:
Daß du dich männlich aufgeführt
Wie ist dirs denn so plötzlich kommen?
Hast du noch gar nichts eingenommen?

Ach sage doch mein Auserwehlter
Mein Zucker-Schatz, mein Marzipan
Ach sage doch, du mein Vermählter
Ob ich dir etwan helfen kann
Ich wollte Tausend Thaler missen
Dich so gesund wie vor zu wissen.

Ach freylich kannst du mich curiren
Fing itzt Lysander kläglich an
Doch aber ach! hier hülfft keyn Schmieren
Kein Mithridat, keyn Entian
Keyn Oleum, keyn Kraut noch Pflaster:
Mich heilt nichts als eyn Pfeiffgen Knaster.


Denn wenn ich dieses muß entbehren
So fällt mir die Courage hin
Ich kann dir dann nicht mehr gewehren
Worzu ich doch verbunden bin
Der Toback mehret meine Kräffte
Und unterhält die Lebens-Säffte.

Drauff sprach sie: Ists hieran gelegen
Das du dein Schwören nicht erfüllst?
So magst du künfftig meinetwegen
Den Toback rauchen wie du willst
Eyn anders ist, stets Toback rauchen
Eyn anders, ihn zur Artzney brauchen.

(Hancke)

 Gefunden in einen uralten Buch mit Namen:
 ”Vom barocken Frauenzimmer”.