Freitag, 11. Juli 2014

Juli - Heumond

Bekränzter Jahreslauf

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 Juli Heumond

Im Julihimmel thront im rotglühenden Rad der Löwe; es ist ein gutes Tier. Das ländliche Jahr steht auf seiner Höhe: die Ernte beginnt. Der Bauer, im kurzen Leinenkittel und im breitkrempigen Sonnenhut, schneidet bedächtig mit der Sichel die Frucht, die dann zu reinlichen Garben gebunden wird.

Das Land liegt heiß und trocken in der Sonnenglut. Da gelbe Weizenfeld ist mit Mohn- und Kornblumentupfen gesprenkelt und das Gras hat in der Dürre eine ganz stumpfe, olivgrüne Farbe bekommen. Wie stumpf, merkt man erst recht an dem Kirschrot des hingeworfenen Faltentuches. Drüben steht der fahlblaue Farbklecks des Frauenrockes vor dem staubigen Stroh. In niederländischer Sauberkeit stehen die Halme ein wenig zu kerzengerade nebeneinander und die Feldränder sind etwas zu reinlich.

In der fernen, fernen Tiefe der kleinen Landschaft passiert noch eine ganze Menge. Zwei, drei Gründe sind hintereinander, Berg, Wiese, Jägersmann, Hund, Bauer, Wanderer und ganz zuhinterst die Zinnen der flandrischen Stadt. Darüber zieht Gewitterschwärze auf und läßt die Dinge in dusterem Halblicht leuchten. Der Horizont verfärb sich schwefelig, die Wolkensäume erglänzen im schrägen Sonnenlicht und goldstrahlig zuckt der Blitz aus dem blauschwarzen Knäuel.

(Quelle: Bekränzter Jahreslauf. Ein festlicher Kalender für alle Zeit, Leipzig 1935.
Mit Bildern aus einem flämischen Stundenbuch)

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