Donnerstag, 31. Juli 2014

Stimmung … Emil Claar

Stimmung Emil Claar Klaar Poesie Poesiealbum Kurrent Kurrentschrift

Es kommt mit dem Abend gezogen,
Als ob es das Herz dir bricht,
Es kommt mit dem Winde geflogen,
Was ist’s - du weißt es nicht …

***

Hier noch ein paar Texte von Emil Claar, dem Melancholiker.
Eigentlich hieß er Emil Rappaport (1842 - 1930).
Schauspieler, Dichter, Theaterintendant.

 ***

Modernes Streben

Der eine redet, der andre dichtet,
Der dritte entdeckt, der vierte reist,
Und alles ist darauf gerichtet,
Dass man nach ihnen mit Fingern weist.

  ***

  Ich wollt’ ich könnte sein die Ruhe,
Die endlich, endlich dir beschieden.
Ich küsste reuig Deine Schuhe,
Weil ich so lange dich gemieden.

Ich wollt’ ich könnte sein der Friede,
Der mild auf dich herniederkäme
Und mild von deinem Augenlide
Des Kampfes letzte Thräne nähme.

  ***

  Bleibendes Leid

Du harrst, ob morgen nicht der Tag
Sich etwas milder zeigen mag,
Als heute dieser schwere war –
Und so verrinnet Jahr um Jahr!

  ***

  Was wird aus all den Küssen werden,
Die du mir nimmst und gibst?
Was wird aus all der Lieb’ auf Erden,
Mit welcher du mich liebst?

Mir ahnt, ich werde kränken müssen
Dein Herz bis auf den Tod,
Aus aller Lieb’ und allen Küssen
Wird Weh und Schmach und Not!

  ***

  Nach Innen

Der liebste von der Welt Genüssen
Erscheint mir heute: mich versenken
Vereinsamt in das eigne Denken
Und zu der Welt nicht sprechen müssen.

  ***

  Leben und Tod

Macht dir das Erdendasein Pein,
Bedenke in Not:
Wirst nicht so lange lebend sein,
Wie später tot.

  ***

  Getrost

Und bist du noch so krank und schwach,
Und tiefgebrochen tausendfach,
Dass du die Augen niederschlägst
Und keinen Weltstrahl mehr verträgst,
Sei furchtlos! Frieden kommt ins Haus,
Das Sterben hält ein jeder aus.

  ***

  Du warst so lieb

Du warst so lieb in schweren Tagen
Als andre mir im Zorn genaht,
So lieb, ich kann dir’s gar nicht sagen,
Du frugst mich sanft nach arger Tat.

Ich sah dein Auge mild sich feuchten,
Von Mitleid zauberisch erhellt,
Und sah darin die Mahnung leuchten:
Ich denke anders als die Welt.

Ich sah dich stumm, als andre lärmten,
Und sah dich lächelnd weiter geh’n
Als alle wieder mich umschwärmten
Und fühlte, wie wir uns versteh’n!

Du warst so lieb in schweren Tagen,
Und hobest und befreitest mich,
So lieb, ich kann dir’s gar nicht sagen
Und immer denke ich an dich!