Dienstag, 10. November 2015

Springerle-Bäckerei (Anis … Sternanis)

Beide werden u. a. in der Weihnachtsbäckerei verwendet: Anis (z. B. für Anisbrödle oder Spingerle) und Sternanis. Botanisch haben sie allerdings weniger miteinander zu tun. Da der würzige Geruch und Geschmack unserem heimischen Anis ähnlich war (Inhaltsstoff Athenol), wurden die sternförmig gestielten Balgfrüchte der asiatischen Pflanze Illicium verum einfach ebenfalls Anis genannt bzw. zur besseren Unterscheidung: Stern-Anis.

Mein altes Kräuterbuch von 1884 schreibt: “… Wir erhalten den bekannten Sternanis von einem ziemlich hohen Baum, welcher oft die Größe des Kirschbaums erreicht und namentlich in Ostindien, China und Japan wächst … An den Zweigen sitzen gelbe, 5 Ctmtr. breite Blumen, die in der Ferne Narcissen gleichen und sternförmige Samenkapseln hinterlassen, die zuerst grasgrün, zur Reifezeit graubräunlich aussehen und braune, glatte, eirunde mehlige Samenkörner enthalten.- Gebrauch: Kapseln und Körner schmecken und riechen süß und angenhem-gewürzthaft, wie Anis, und werden bei uns zu Thee bei Katarrhen und Brustkrankheiten benützt … Dient in China und Japan als beliebtes Räuchermittel und zum Wohlriechendmachen des Atems. Wir über Holland, England und Rußland in Handel gebracht. Er hat die gleiche Wirkung wie der gemeine Anis …”

Dagegen ist unser heimischer Anis ein Doldengewächs (wie z. B. auch Dill, Fenchel und Kümmel) und sieht so aus:

Anis Doldengewächs Samen für Tee, Getränke WeihnachtsbäckereiIn der Weihnachsbäckerei wird der heimische Anis u. a. bei Springerle, einer schwäbischen Gebäckspezialität verwendet, indem man das Backblech mit Anissamen ausstreut und die Plätzchen darauf bäckt, so dass die Samen nach dem Backvorgang an den “Füßchen” der Springerle haften und dem Ganzen den typisch würzigen Geschmack verleihen.

Backwerk Gebäck Plätzchen Springerle Rezept helle Köpfchen goldgelbe Füßchen Anis backen Weihnachten Weihnachtsgebäck klassisch klassisches Klassiker Holzmodel Springerlemodel Foto Brigitte Stolle Mannheim November 2015

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Sind Anis und Sternanis verwandt?

“Namen und Geschmack gleichen sich, die beiden Pflanzen überhaupt nicht. Sternanis, lllicium verum, ist ein in Südchina wachsender immergrüner Magnolienbaum, der bis zu 100 Jahre fruchtbar ist und 7 – 10 m hoch wird. Die hübschen sechs bis zehn sternförmig angeordneten Kapseln der Früchte enthalten je einen Samenkern, auf den es geschmacklich allein ankommt.

Anis, Pimpinella anisum, ist - wie Kümmel und Dill - ein einjähriges Kraut aus der Familie der Doldenblütler und stammt aus Vorderasien. Früher wurde er auch bei Magdeburg, Erfurt und Langensalza angebaut. Anisölbrenner gewannen aus ihm durch Destillation ein gelbes, süßes Öl. Daraus wird noch heute Pastis, Ouzo und Sambucca gemacht. Da es aber sehr teuer ist, wird dazu inzwischen meist Sternanis verwendet. Sternanis und Anis enthalten beide Athenol, das u.a. schleimlösend und verdauungsfördernd wirkt.”

 (zitiert aus: Brockhaus-Kalender: “Was so nicht im Lexikon steht”)

Anis Sternanis Illicium verum Weihnachtsgewürz Asien Fotocollage Brigitte Stolle Mannheim
Foto (s): Brigitte Stolle