Mittwoch, 31. August 2016

Hör auf zu mangern tun !!!

Mein aktuelles Heft SPRACHREPORT des Mannheimer Institutes für deutsche Sprache (3/2016) ist schon nach wenigen Tagen ziemlich abgegriffen und zerlesen. Erst heute Morgen musste es wieder als Kaffee-Untersetzer und Frühstückslektüre herhalten.

Es ist ja auch immer so interessant und spannend, was da an neuen „Informationen und Meinungen zur deutschen Sprache“ publiziert wird. Besonders gefallen hat mir in dieser Ausgabe der Artikel von Elke Donalies: „Röntgen - Verben aus Personalnamen“. Das Fachwort dazu heißt Deonomastika. Gemeint sind damit Wörter, die auf der Basis von Eigennamen entstanden sind; die Autorin hat jede Menge Beispiele aus der Kategorie “Verben” zusammengetragen:

Röntgen (nach Wilhem Conrad Röntgen), boykottieren (nach Charles Cunningham Boycott), mendeln (nach Gregor Mendel), dottern (nach Charles D. Dotter), galvanisieren (nach Luigi Galvani), lumbecken (nach Emil Lumbeck), lynchen (nach einem Richter namens Lynch), morsen (nach Samuel Morse), pasteurisieren (nach Louis Pasteur), aphrodisieren (nach der griechischen Liebesgöttin Aphrodite), bezirzen (nach der mythologischen Zauberin Cirze), kneippen (nach Pfarrer Kneipp), verballhornen (nach dem Drucker Johann Ballhorn) … und ganz viele andere.

Dazu kämen, so die Autorin, Spontanbildungen, z. B. von Journalisten und Zeitungsredakteuren, die (noch) nicht fachsprachlich etabliert seien und den Weg in den Duden noch nicht gefunden hätten: „Deutschland merkelt“, schrieb etwa eine Zeitung. Vertreten sind auch „wulffen“, „gaucken“, „straußeln“ usw. Sprache ist ja äußerst kreativ und das ist es, was daran so viel Spaß macht.

Solche Artikel regen die Fantasie an. Sofort habe ich angefangen, alle möglichen Verben auf einen Zusammenhang mit einem Personennamen zu untersuchen - und umgekehrt. Die Autorin gibt ihren LeserInnen auch noch den Tipp mit auf den Weg: Probieren Sie es doch mal mit Ihrem eigenen Namen!

Nee, bei mir klappt das leider nicht. Eingefallen ist mir aber noch „mangern“, womit das Sprechen in Ruhrgebietsdialekt gemeint ist. Gebildet ist das Verb nach dem 1994 verstorbenen Schauspieler Jürgen von Manger, der zwar in Ehrenbreitstein (bei Koblenz) geboren ist, mit seiner Kunst- und Bühnenfigur Adolf Tegtmeier aber sehr gekonnt einen Ruhrgebiets”ureinwohner” wiedergegeben hat. Im Netz fand ich den netten Satz: „Hör auf zu mangern tun“, wie es vielleicht ein Lehrer zu seinem “mangernden” Schüler sagen könnte.

Und wie wäre es mit „schillern“ nach Friedrich von Schiller? Nein, das ist natürlich ein kleiner Scherz! Aber ich suche weiter. Und der Mannheimer “Sprachreport bleibt mir weiterhin eine spannende Frühstückslektüre mit lustigen Anregungen.