Donnerstag, 6. Oktober 2016

Des Sommers letztes Kind

Karl Friedrich von Gerok, deutscher Lyriker (1815 – 1890):

 Blühst du wieder, Herbstzeitlose,
Blassgefärbte, düftelose,
Groß gewiegt vom rauen Wind
Du des Sommers letztes Kind? …

Herbst Herbstzeitlose Giftpflanze Heilpflanze Fotos und Collage: Brigitte Stolle 2016Foto (s): Brigitte Stolle

Im Jahr 2010 war die Herbstzeitlose „Giftpflanze des Jahres“. Sie gehört zur Familie der Zeitlosengewächse und hat im Volksmund so nette Namen wie Butterwecken, Wilde Zwiebel, Winterhauch oder Wiesenlilie … Andere Trivialnamen wie Leichenblume, Teufelsbrot, Giftblume weisen auf ihre Gefährlichkeit hin. Die Herbstzeitlose gehört zu den giftigsten heimischen Grünlandpflanzen. Das Gift steckt vor allem in Wurzel und Samen, aber auch sonst überall in der Pflanze. Schon seit alters her wird die Herbstzeitlose jedoch auch medizinisch genutzt. In meinem alten illustrierten Kräuterbuch von 1884 wird ihre Wurzel mit „riecht widerlich, schmeckt bitterscharf“ beschrieben. Es werden zahlreiche Anwendungen und Rezepturen beschrieben, die bei Rheuma, Blähsucht, Gelenkwasser, Harnleiden oder „Brustübel“ helfen sollen. Auch auf den Heilwert von „Zeitlosensauerhonig“ und „Zeitlosenessig“ wird hingewiesen. Andere Zeiten, andere Sitten. Kaum jemand würde sich heutzutage im Selbstversuch mit Zubereitungen aus giftigen Pflanzen zu heilen versuchen. Unter ärztlicher Aufsicht wird die Herbstzeitlose jedoch nach wie vor therapeutisch eingesetzt.

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