Donnerstag, 2. Februar 2017

Der arme Poet und die arme Pötin

Camera obscura. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich in Mülheim an der Ruhr das Museum zur Vorgeschichte des Films mit weit über tausend Exponaten besucht habe. Untergebracht ist es im Broicher Wasserturm. In der ehemaligen Wasserkuppel wurde die weltgrößte begehbare Camera obscura installiert. Allein schon dieser Anblick ist ein Erlebnis.

Camera obscura ... Museum zur Vorgeschichte des Films ... Mülheim an der Ruhr ... Sonderausstellung 2011: "Mit den Augen der Alten Meister" ... Fotografisch inszenierte Gemälde, Kunst und Fotografie ... Foto Museuminnenraum: Brigitte Stolle, MannheimBei meinem Besuch im Jahr 2011 gab es zudem eine interessante Sonderausstellung zu sehen. Titel: „Mit den Augen der Alten Meister“. Im aktuellen „Sonderausstellungen-Poster“ des Museums erinnert das Bild „Goethe in der Campagna“ von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (dritte Reihe, zweite Spalte) an die damals gezeigten Fotografien. Thema waren fotografisch inszenierte Gemälde. Kunsthistorische Vorlagen alter Meister sollten mit der Kamera neu interpretiert und zu Fotos arrangiert werden, die in die heutige Zeit passen. Eine mehr als interessante Aufgabenstellung, die von angehenden Fotografen eines Essener Berufskollegs mit Bravour und Liebe zum Detail gemeistert wurde. Ich erinnere mich noch gut an eine gelungene Mona Lisa-Umsetzung.

Camera obscura ... Museum zur Vorgeschichte des Films ... Mülheim an der Ruhr ... Sonderausstellung 2011: "Mit den Augen der Alten Meister" ... Fotografisch inszenierte Gemälde, Kunst und Fotografie ... Foto Museuminnenraum: Brigitte Stolle, MannheimDas Tolle an so einer Ausstellung ist, dass sie sofort die eigene Phantasie ankurbelt. Welche kunsthistorische Vorlage könnte man mit gegebenen Mitteln fotografisch neu interpretieren? Sollte man vielleicht erst einmal mit einem Stillleben von Äpfeln und Orangen oder mit einem Sonnenblumenstrauß à la Vincent van Gogh anfangen?

Carl Spitzweg "Der arme Poet" ... Kunsthistorische Vorlage mit der Kamera neu interpretiert und zu einem Fotos arrangiert.Ein eigenes Beispiel zum Thema ist die Umsetzung von Carl Spitzwegs „Der arme Poet“, das man in der Alten Pinakotek in München bewundern kann. Die Idee reifte in einem Ferienhaus am Chiemsee heran, das freilich besser ausgestattet war als die ärmliche Stube des Dichters. Was macht der Poet mit seiner rechten Hand? Die Meinungen gehen auseinander. Zerdrückt er einen Floh? Skandiert er einen Vers? Ich habe mich bei der Nachstellung an die zweite Version gehalten (einfach romantischer), Floh und Schlafmütze weggelassen. Das Foto wurde geschlechtsumwandlerisch „Die arme Pötin“ getauft :-)

Brigitte Stolle, die arme Pötin:

Frei nach Carl Spitzwegs "Der arme Poet" ... Fotografisch inszeniertes Gemälde: Brigitte Stolle, "Die arme Pötin" ... Foto: Harold Eisele, Mannheim
Foto: HE

  1. Margit

    Donnerstag, Februar 2, 2017 - 13:27:37

    wunderbar!Sehr schön umgesetzt.Sind da die Limeriks entstanden???

  2. Brigitte

    Donnerstag, Februar 2, 2017 - 13:59:19

    Die 66 kecken Köchinnen-Limericks gab’s zu diesem Zeitpunkt schon länger. Aber es gibt ja auch sonst immer was zum Dichten und Schreibseln :-)

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