Freitag, 29. September 2017

Mach’s gut, Erna !

Single Joy Fleming 1972_Neckarbrücken Blues_Mannemer Dreck_VorderseiteDie Mannheimer Jazz-, Blues-, Soul-, Schlager- und Dialektsängerin Joy Fleming ist vorgestern, am 27. September 2017, in Sinsheim im Kraichgau verstorben. Geboren wurde sie 1944 in der Pfalz, aufgewachsen ist sie in der Mannheimer Neckarstadt, also „iwwer der Brick driwwe“. Ich habe gleich in meinen Sachen gewühlt und gesucht, ob ich evtl. eine alte Schallplatte von ihr habe. Und tatsächlich kam eine verfleckte Single aus dem Jahr 1972 zum Vorschein mit „Neckarbrücken-Blues“ und „Mannemer Dreck“. Nach einer Ausbildung zur Verkäuferin gründete sie 1966 die Band Joy and the Hit Kids (später: Joy Unlimited) und trat vor allem in US-Clubs auf. Die in Mannheim stationierten Amerikaner hatten die junge Frau aufgrund ihrer Stimmgewalt entdeckt, “Mama Soul” und „schwarze Stimme“ wurde sie genannt. Ein Auftritt im Talentschuppen brachte den Durchbruch. „Musik ist Flucht“ wusste Joy schon in jungen Jahren, ihre Kindheit war nicht leicht, es habe „mehr Schläge als Brot“ gegeben. Als eine der ersten sang die Mannheimerin Liedertexte im Dialekt, vor allen den über die Regionalgrenzen bekannten „Neckarbrücken-Blues“. 1975 vertrat sie Deutschland beim Grand Prix. Mit dem Titel „Ein Lied kann eine Brücke sein“, landete sie ganz weit hinten. Mehr als über diesen Misserfolg ärgerte sie sich über das lange grüne Kleid, dass sie beim Auftritt tragen musste. „Wie ein Laubfrosch“ war ihre Meinung darüber. Joy Fleming trat bei zahlreichen Wohltätigkeitsveranstaltungen auf, blieb immer basisnah und scheute sich auch nicht vor Auftritten in Festzelten. Am Mittwoch verstarb die Sängerin im Alter von 72 Jahren unerwartet im Schlaf.

“Und leg’ ich mich einst zu ew’gen Ruh” -
deckt mich mit Dreck aus Mannem zu - oh yeah!”

Single Joy Fleming 1972_Neckarbrücken Blues_Mannemer Dreck_Rückseite

Neckarbrücken-Blues

Her, her mol her, was ich Dir jetzt sag e will.
Des is ä kleeni Gschicht vun geschtern morge.
Do is de Briefträger zu ma kumme un hot gsacht,

Klenie kumm mol her, ich hab da was zu sage.
Oh, deun Karl is schun widder iwwer die Brick,
iwwer die Brick is er widder niwwer zu der onnere.

Oh, hab ich zu dem Briefträger gsacht:
Her mol, des is moin Karl sei Sach.
Ma zwingt keen Mensch zu seunem Glick.
un wann er meent er muss iwwer die Brick,
soll er doch, soll er doch, soll er doch.

Oh, ich weeß, der kummt a widder zurück.
Der kummt schun widder, wann er Hunger hot.
Die Männer kumme alleweil widder zurück.
Dann sin se hungrisch oder kronk. - Gott sei Donk.
Und ach moin Karl g’heert zu dere Sort.
Gott sei Dank, Gott sei Dank, Gott sei Dank.

Ne, so oft kann der gar net fort,
wie er widder zurück kummt iwwer die Brick.
Do steht er schun widder an de Dür, moin Karl
un dann sacht er ganz fresch zu mir:
Kleeni her, her mol her
ich geh mol schnell uff ä Bier,
ich bin bald widder zurück.

Oh Karl, Oh Karl, Oh Karl, Oh Karl, Oh Karl,
Du hoscht doin’ Hut tief im G’nick.
Isch wääß ganz genau,
jetzt geht er widder iwwer die Brick.
Er geht widder üwwer die Mannemer Brick,
die Mannemer Neckarbrick.