Sonntag, 4. Februar 2018

Blutorangenmarmelade inkl. linguistischem Exkurs :-)

Selbst gemachte Marmelade aus hellen und Blutorangen ... Exkurs über Konfitürenverordnung ... Foto: Brigitte StolleVor einiger Zeit habe ich eine Quizsendung gesehen, in der nach der richtigen Bezeichnung von süßen Fruchtaufstrichen gefragt wurden. Die Kandidaten empfanden Erdbeermarmelade als einen durchaus korrekten Namen. Ha, da hatten sie aber nicht mit den EU-Verordnungen und Richtlinien gerechnet, ganz genau geht es hier um die EU-Richtlinie 2001/113/EG und die Konfitürenverordnung (KonfV). In meiner Ausbildung zur Köchin hatte ich mich auch damit auseinandersetzen mussen, so dass mich diese Quizfrage nicht kalt erwischte. Im Lehrbuch “Der junge Koch” (mittlerweile gibt es “Der junge Koch/Die junge Köchin”) findet man es unter “Erzeugnisse aus Obst“. Und da steht ganz eindeutig, dass strenge Unterscheidungen getroffen werden: Lediglich Erzeugnisse aus Zitrusfrüchten dürfen demnach Marmelade genannt werden (Orangenmarmelade). Konfitüre bestehe aus Früchten in stückiger oder breiiger Form (Erdbeerkonfitüre), Gelee aus Fruchtsaft.

Das Ganze gilt natürlich nur für Handel und Industrie. Wenn ich zu Hause in meiner Küche einen süßen Fruchtaufstrich herstelle, darf ich ihn nennen, wie es mir gefällt. Aber wie das so ist: Wenn man mal was gelernt und sich damit beschäftigt hat, bleiben diese Fakten (idealerweise) im Hinterkopf. Ich koche also Orangenmarmelade und Brombeerkonfitüre.

Nachdem uns die Orangenmarmelade vom Dezember so gut geschmeckt hat und auch ratzfatz aufgegessen war, wurde vor einigen Tagen eine Blutorangenmarmelade hergestellt.

Selbst gemachte Marmelade aus hellen und Blutorangen ... Exkurs über Konfitürenverordnung ... Foto: Brigitte StolleEin halbes Gläschen von der hellen Orangenmarmelade war gerade noch übrig, so dass ein direkter Geschmacksvergleich möglich war. Beide Marmeladen munden einfach köstlich, wobei die “normale” Orange einen Hauch herber und weniger süß schmeckt, was mir mehr zusagt, der roten Marmelade aber keinen wirklichen Abbruch tut. Selbst gemacht halt.

Selbst gemachte Marmelade aus hellen und Blutorangen ... Exkurs über Konfitürenverordnung ... Foto: Brigitte StolleWarum die Marmelade-/Konfitürenverordnung so streng ist, weiß ich leider nicht genau. Es soll etwas mit den Engländern zu tun haben. Die Wortherkunft von “Marmelade” sagt nichts Entsprechendes darüber aus. Vielmehr ist das Wort vom portugieschen “marmelada” = Quittenmus entlehnt in Ableitung von port. “marmelo” = Honigapfel, Quitte. Und die Quitte war bekanntlich noch nie eine Zitrusfrucht.

 Selbst gemachte Marmelade aus hellen und Blutorangen ... Exkurs über Konfitürenverordnung ... Foto: Brigitte Stolle

Selbst gemachte Marmelade aus hellen und Blutorangen ... Exkurs über Konfitürenverordnung ... Foto: Brigitte Stolle

Selbst gemachte Marmelade aus hellen und Blutorangen ... Exkurs über Konfitürenverordnung ... Foto: Brigitte Stolle
Foto (s): Brigitte Stolle