Montag, 30. Juli 2018

Herz aus Stein

Die Tiroler Ache (Achen) entspringt in den Kitzbühler Alpen und mündet bei Grabenstätt in den Chiemsee. Unser Lieblingsplätzchen für das Suchen und Finden von “Fleisch- und Wurstwaren”-Steinen sind die Kiesbänke der Ache in der Nähe von Schleching. Hier ist die Ache fast noch ein Wildfluss zu nennen, der in seinem breiten und unbegradigtem Bett liegt. Zuerst sieht und findet man NICHTS. Bei sonnigem, trockenem Wetter wirken die Steine alle gleich: hellbraun, grau, staubig, langweilig. Es lohnt sich aber, das eine oder andere Fundstück ins Achenwasser zu tauchen. Erst dann tritt die eigentliche Farbe zutage und man sieht intensive Braun- und Rottöne, auch grün ist nicht selten.

Das Lustige ist, dass ganz viele der gesammelten Kieselsteine Ähnlichkeit mit Fleisch- und Wurstwaren aufweisen. Eine ganze Metzgerei-Theke könnte man zusammenstellen. Ein bisschen Fantasie sollte man aber mitbringen. Wir fanden rohe und gegarte Fleischwaren, Geräuchertes, Mageres und Fettes. Man sieht ein Stück rohes Rindfleisch, das mit Sehnen und Flechsen über- und durchzogen ist und auch die nötige Speckschicht ausweist, damit das Fleisch nach dem Braten nicht zu trocken wird. Auch ein rohes Hühnerherz habe ich ausgemacht. Und hier: ist das nicht Pfälzer Lewwer-, Griewe- und Blutworscht? Karla Kunstwadl, die Fleisch- und Wurstwaren überhaupt nicht mag, hat ein mehliertes Roggenbrötchen und sogar ein Gurkerl entdeckt. Siehe auch “Steinharte Wurst- und Fleischwaren” vom Oktober 2015.

Wenn man vor lauter Begeisterung den einen oder anderen Stein mit nach Hause nimmt, wird man beim Auspacken enttäuscht sein: trocken und fad sehen die Mitbrinsel aus. Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder man legt die Steine ständig ins Wasser oder man behandelt sie mit Klarlack. Ich habe noch einen farblosen Nagellack, den ich sicher nicht mehr brauche, und werde die Kiesel damit zum Glänzen bringen.

 


Foto (s): Brigitte Stolle